No idea!

Freitag, 16. Mai 2008

Lietterschpich Diet / Cadaver Eyes / Puma live @ Kulturbunker Mühlheim, Köln, 07.05.2008

„Mal seh’n, wie wenig Leute heute kommen…“

Is’ dir dieses Sätzchen mal durch deine zerebralen Zyniker-Kanäle geplätschert und bist du dazu noch Kölner, stehen die Chancen nicht schlecht, dass du mutiges Freundchen den weiten Weg ins Kulturghetto nach K-Mühlheim auf dich genommen hast, nur um dir – oh mein Gott! – eine Band anzuschauen. „Waaas? DAFÜR? SO WEIT??“
Dieses Mal war’s allerdings auch für meine eigentlich nicht so zarten Saiten ein bisschen viel, dass zwei Bands vor 4 Leuten spielen müssen, die ganz schön vielen schlauen Kennertypen einfallen, wenn das Wort „Metal plus X“ fällt. Selbst wenn dein Album weltweit gefeiert wird (LD) und du bei WFMU Radiokonzerte spielst (CE): im Bunker, wenn das Licht ausgeht, biste alleine! Das mittlerweile x-te Trauerspiel in dieser Kiste und wenn du nicht ausschließlich auf Merzbow-Konzerte gehst, weißte ja sowieso Bescheid. Man könnte auch sagen: „Israel wird 60 und keiner geht hin.“ Aber bevor ich DA drauf eingehe, schnellschnell zur rettenden Musik. Los!

Hier ist, was du verpasst hast:
Den Anfang machten PUMA aus Norwegen. Ihr Ding basierte auf einem soliden Free Rock Fundament, das während eines bisschen zu langen Sets die Zehen in die Gewässer Jazz (v.a. Drums), Death/Thrash und Noise eintauchte. Durchaus inkonsistent und nicht gerade megamäßig fokussiert war das Set allerdings nicht völlig frei von positiven Überraschungen. Pose-itiv (aua!) war vor allem der Typ an den Keys/Electronix (ich glaube, Stian ist sein Name): Punk-Kid goes morbide Industrial-Marionette goes crayzay and plays horror shit, indeed! War echt o.k., es wurde zwar kein Verstand geblasen, ’s war aber dopey! Next…

CADAVER EYES. Jungejungääh!!! Gestoppte Intensität. Echt jetzt! Das Set wurde tatsächlich von einer riesigen, in den Hintergrund projizierten Stoppuhr(!) überwacht, gerahmt und dann schließlich auch beendet (Wat’n sonst?). Jedem, der sich mal nach „dem Ende“ gefragt hat, ist doch mal die Möglichkeit in den Sinn gekommen, eine beliebig gewählte Zeitspanne zu wählen, einfach weil es keinen Sinn macht, und so halt im schicken Gegensatz zum In- und Ge-halt steht. Halt. Musikalisch wurde dieser arbiträre Eimer mit einer CE-Version gefüllt, die im Verlgeich zu dem Kram, den sie beispielsweise auf ihrer großartigen Split mit Burmese verzapft haben und auf deren Material auch dieses Set basierte, eine gehörige Spur nackter daherkam. Vor allem die vergleichsweise runtergeschraubte Abrasivität – Davids Vokals waren unverzerrt und Erans Sounds kamen weicher und schwüler – konnte auf der Intensitätsseite ordentlich Pluspunkte besorgen. Ich müsste mir die Finger zu Stumpen tippen, um die emotionale Kraft dieses Sets zu erfassen, nur um danach unweigerlich zusehen zu müssen, wie Zeile auf Zeile den Lemmingtod ihres Sinns stirbt.
Sound: die klangfarblich meist ultra-minimalen Sounds, die Eran aus seinem No-Input-Mixer-/Sampler-Setup holte, waren so etwas wie die perfekte Melange von Noise, Doom und Dub, wenn perfekt bedeutet: „dein Hirn zermürbend und im Angesichte dessen dir Endorphinschübe verpassend“. Davids Schlagzeugspiel und auch seinen Gesang hingegen kann man sich so vorstellen, dass er Material der Split zu rhythmischen und lyrischen Zellen extrahierte, und so die Macht des Kontextes über Erans Doom-Noise Sounds ausübte. Schlägelnde Mittelchen und Wege bestanden aus diversen Fragmenten der Doom- und Grind-Welt und die Lyrics
aus kombinierbaren Fragmenten zu Themen wie Soldaten-Dasein und rechtes Israel, wie er mir später offenbarte, nachdem ich ihm versucht habe zu erklären, dass er in seiner martialischen Verzweiflung klang wie ein depressiver Samurai. Wenn er auf unverkennbare Art vielleicht schon 1000fach gehörte Zeilen wie „You are the ones who make me fucked up!“ rausbrüllt, findest du keine Luxusmisanthropie, kein pseudo-depressives Rumquängeln vor, sondern schlicht und einfach eine profunde Kombination aus blanker Wut und trauernder Verzweifung, die einen ordentlichen Schiss auf Eloquenz gibt. Das klingt cheesy und old-hat. Über Black Sabbath wurde schon ähnliches behauptet (gut, ohne das „profund“…), aber was willste machen? Kommen wir zum Headliner:

LIETTERSCHPICH DIET sind eine auf Trio geschrumpfte Version der Bis-zu-9Mensch-Audio-Visual-Großgruppe Lietterschpich aus Jerusalem. Diese abgespeckte Besetzung besteht aus Kadaveraugen David und Eran erweitert durch den genialen und ultra-duften Vokiller Rani. LD zeichnet, trotz der klangfarblichen Ähnlichkeiten, eine von CE zu unterscheidende, strukturell offenere Herangehensweise aus, die weniger den Fokus auf kombinierbare Sinneinheiten legt, als auf die kollektive Entwicklung eines sich wandelnden Stroms. Der Musik LDs stellenweise gar durch scapige Gefilde wandernd liegt eine von CE’s Hermetik komplett zu trennende Dramatik zu Grunde. Rani begann das Set als in gelb getauchter, schmatzend atmender Dämon (nein, nicht verkleidet!), bevor das Set zu einem Noise-Doom-Black-Monster wurde, das sich ma’ gewaschen hatte. Unglaublich, was da aus dem Hut gezaubert wurde! Wo kommen bloß diese ganzen Ideen her? Styles werden stranguliert und in die Luft gejagt und dann joint David das erste Mal mit seinem unverkennbaren Gesang und shoutet unter Ranis effekt-durchtriebenen Vokals verfickt noch eins Zahlen von „1“ beginnend in unterschiedlichen Sprachen!! Ab hier war ich dann auch nur noch am Boden und wahrlich blieb mein Aug' nicht trocken. Mit diesen Nummern als geordneten, lehren Behältern trat die Offenheit LDs, die sich musikalisch eher in struktureller Hinsicht manifestiert, lyrisch in den Raum der bedeutungsgeschwängerten Abstraktion. Du musst wissen, David is’ da super-straight: ausschließlich Zahlen, immer strikt aufsteigend! Eine rein solipsistische Assoziation folgt auf die nächste – nach dem strengsten System ever. Entkommen ausgeschlossen. Großartig! Es hätte eigentlich nie enden dürfen. Sofa, Arm abbinden, und ein Schuss von diesem herrlichen Blackened Noise mit Zahlen. Und: wälzen in unendlichem Sinn ohne Ende, ohne Sinn…

Lietterschpich
Cadaver Eyes
Puma

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

waren wirklich nur 4 gäste da? und wenn ja hast du dich da schon mit eingezählt?
tüdelüü

Anonym hat gesagt…

† ICH WAR DA †
THE DOOMLORD